Bedingungen für Entwicklung

Einbettung und Verwurzelung

Offensichtlich sind solche komplexen kommunikativen Fähigkeiten keineswegs nur kognitiver Art (im Sinne eines verstandesmäßigen Begreifens), sondern sind eingebettet und verwurzelt in tiefen emotionalen Schichten der Persönlichkeit, und nur dort können sie auch neu gebildet oder umgeformt werden. Eine Veränderung oder ein Training, das ausschließlich auf Theorievermittlung, auf verstandesmäßiges Wissen um die verschiedenen Aspekte und Zusammenhänge der Kommunikation abhebt, muß deshalb scheitern. Erst in einer Atmosphäre, in der der Einzelne bereit ist, sich seiner Innenwelt zu öffnen und tiefer in sie hineinzuschauen, kommt er in Kontakt mit Gefühlen und inneren Haltungen, die für die kommunikativen Grundfähigkeiten bedeutsam sind. So kann das Vertrauen entstehen, in dem einschränkende Muster aufgegeben werden können und eine Öffnung für Neues möglich wird.

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Einbeziehung des Körpers

Eine entscheidende Bedeutung in diesem Prozeß hat die Einbeziehung des Körpers und seiner Empfindungen und Signale. Was wir in den frühen Phasen unseres Lebens erlebt haben und was dem Vergessen und der Verdrängung anheimgefallen ist, ist im Körper eingefleischt und aufbewahrt. Hier sind die tiefsten inneren Überzeugungen und ihr Entstehungszusammenhang wiederzufinden. In den Körpersignalen drücken sich die Impulse und inneren Haltungen aus, die an der Schwelle zur Bewußtwerdung stehen und so einer Veränderung zugänglich werden.

Der Wert von Übungen

Übungen, die das Gespür für den eigenen Körper fördern, Spannungen bewußt machen und vielleicht auch lösen helfen, haben sowohl einen diagnostischen Wert für die Selbsterkenntnis (Wo stehe ich in meiner Entwicklung wirklich, jenseits von allen Wunschbildern und Einbildungen ?) wie auch einen Wert für die Einübung neuer Verhaltensmöglichkeiten (Das habe ich jetzt schon mal probiert und es ging gut!)

Die Langfristigkeit von Transformation

Da die sozialen Grundfähigkeiten bereits im Kindesalter in der Familie erlernt und eingeübt werden, sind auch Mängel oder Fehlformen im Hinblick auf diese Fähigkeiten tief verwurzelt. Es kann daher nicht erwartet werden, daß in einem Schnellkurs tiefgreifende Veränderungen stattfinden, die die Grundlagen der Persönlichkeitsstruktur in einem für die Kommunikation günstigen Sinne umformen. Ein solcher Transformationsprozeß ist immer eine langfristige Angelegenheit.

Impulse für Entwicklung

Jedoch können in einem Kurs von mehrtägiger Dauer auch tiefere Schichten der Persönlichkeit berührt und wichtige Impulse gegeben werden, die den Teilnehmer ermutigen und bestärken, sich diesen Lebensthemen zuzuwenden und an ihnen weiterzuarbeiten und weiterzuwachsen.

Grenzen betrieblicher Fortbildung

Sicherlich gibt es für die berufliche Fortbildung von Führungskräften und Mitarbeitern da eine Grenze, wo das Engagement des Einzelnen für seine persönliche Weiterentwicklung zu seiner Privatangelegenheit wird. Doch wäre es ein grundlegender Fehler, wenn ein Betrieb die soziale und emotionale Kompetenz der Führungskräfte und alles, was zur Bildung und Entwicklung von Führungsqualitäten, persönlicher Autorität und Charisma nötig ist, von vornherein ausgrenzte und zur Privatangelegenheit des Einzelnen erklärte. Das wäre ebenso fatal, wie wenn ein Betrieb sich aus dem fachlichen Fortbildungsbereich zurückzöge.

Zum philosophischen Hintergrund